Nudging – 5 Beispiele aus der Prävention

Viele Leute haben moralische Bedenken beim Nudging. Man will ja niemanden zwingen, etwas zu tun, was die Person nicht will.

In dieser Episode reden wir über die Technik des so genannten "Nudging" und ich gebe Ihnen 5 Beispiele aus der betrieblichen Prävention, damit Sie sich das konkret vorstellen können.

Vorschriften alleine reichen oft nicht aus, damit Menschen sicher und gesund arbeiten. Sie werden ignoriert und umgangen, wenn es bequemer ist, die Arbeit dadurch schneller gelingt oder es weniger Aufwand bedeutet.

Lieber lesen als anhören?

In dieser Episode reden wir über die Technik des so genannten "Nudging" und ich gebe Ihnen 5 Beispiele aus der betrieblichen Prävention, damit Sie sich das konkret vorstellen können.

Vorschriften alleine reichen oft nicht aus, damit Menschen sicher und gesund arbeiten. Sie werden ignoriert und umgangen, wenn es bequemer ist, die Arbeit dadurch schneller gelingt oder es weniger Aufwand bedeutet.

Aber was tun, wenn unsere Vorgaben ignoriert werden? Wir können die Leute ja nicht zwingen, oder?

Immer wieder höre ich in Firmen Aussagen wie:

  • "Die Leute können sich ja eh in den Pausen bewegen. Die brauchen nicht jammern, dass ihnen der Rücken weh tut."
  • "Die haben alle Ausrüstung, die sie brauchen zum Arbeiten. Aber verwenden müssen sie die halt selbst. Ich kanns ihnen nicht hinterhertragen."
  • ...

Es geht also um Entscheidungen, die die MitarbeiterInnen selbst treffen im Alltag.

In der betrieblichen Prävention wird oft auf die Eigenverantwortung von Beschäftigten hingewiesen. Gleichzeitig ist das menschliche Gehirn jedoch keine objektiv arbeitende Maschine, sondern durch kognitive Biases ständig beeinflusst. Menschen handeln also nicht rational. Und genau da setzt Nudging an und will im Alltag die gesündere, sichere Entscheidung erleichtern. Und sie sollen ja die "richtige" Entscheidung treffen, auch wenn niemand zuschaut.


Gelegenheit, die sich bietet

Wenn wir das richtig angehen, dann können wir das Verhalten von Beschäftigten beeinflussen. Nicht auf eine moralisch verwerfliche Art & Weise. Aber wirksam. So dass sichere & gesunde Entscheidungen getroffen werden.

Zum Beispiel:

  • Essen gesund in Kantine
  • Machen regelmäßige Kurzpausen
  • Bewegen sich immer wieder am Arbeitsplatz
  • Nutzen den Stehschreibtisch
  • Verwenden die persönliche Schutzausrüstung
  • Verwenden mehr die Treppe als den Aufzug
  • Kontrollieren die Maschine bevor sie sie verwenden
  • …


Warum funktioniert das?

Hintergrund sind die kognitiven Abkürzungen ("Bias").
Typische Verzerrungen und Phänomene unseres Gehirns werden hier bewusst ausgenutzt.

 

Beispiele für Nudges

Beispiel 1:

Wir handeln eher so, wie sich auch andere Menschen rund um uns verhalten.
→ Verwendete Bilder für Werbung von BGM-Aktionen zeigen Personen des eigenen Unternehmens.

Beispiel 2:

Wir wollen es gerne einfach & bequem haben.
→ Die Anmeldung zu einem Bewegungskurs ist auf einen Klick möglich.

Beispiel 3:

Die richtige Wahl soll einfacher sein, als die ungesunde / unsichere Wahl.
→ Den Süßigkeiten-Automat in einer versteckten Ecke aufstellen, sodass er beim Besuch der Kantine nicht im Blickfeld ist.

Beispiel 4:

Menschen spielen gerne und freuen sich dabei. Also Spiel & Wettbewerbscharakter nutzen.
→ Verteilung von auffällig platzierten Stempelkästen auf dem Firmengelände, deren Stempel regelmäßig wechseln. Mit den Stempeln kann ein Sammelpass gefüllt werden. Wer alle Stempel vorweist, bekommt eine Belohnung.

Beispiel 5:

Was ist eigentlich "normal"? Darauf hinstoßen, dass gesundes/sicheres Verhalten normal ist.
→ In Gesprächen Fragen stellen, die gesundes Verhalten als normal darstellen ("Wie oft in der Woche wollen Sie sich bewegen?" statt "Wollen Sie beim Sportkurs mitmachen?").

 

Aber...

Viele Leute haben moralische Bedenken beim Nudging. Man will ja niemanden zwingen, etwas zu tun, was die Person nicht will.

Also: Ist Nudging in Ordnung?
Ja, wenn man bestimmte Rahmenbedingungen beachtet! Zum Beispiel soll die Wahlfreiheit nicht eingeschränkt werden (also z.B. gar keine Pizza mehr anbieten in der Kantine), aber gleichzeitig soll die sichere/gesündere Wahl wahrscheinlicher werden.

Es ist schon eine paternalistische (bevormundende) Sichtweise, weil ja wir als ExpertInnen festlegen, was gesund/sicher ist.

Aufgabe der Woche:

Nehmen Sie eine aktuelle Gesundheitsaktion her in einer Firma, die Sie kennen:
Wie könnten Sie diese besser bewerben bzw. so gestalten, dass die Leute lieber mitmachen?

Schreiben Sie mir gerne auf LinkedIn mit dem Hashtag pionierederpraevention oder wenn Sie schüchtern sind, geht auch eine Direktnachricht 😉

Nützliche Links

Sie wollen sich tiefer mit dem Thema beschäftigen? Dann schauen Sie mal hier:

  • Für Mitglieder der Online-Akademie "Pioniere der Prävention": Im Kurs zum Thema "Nudging" in der Online-Akademie gibt es viele weitere Beispiele. Und man lernt auch das AEIOU-Modell von Dr. Mathias Krisam kennen, damit man so selbst lernt, wie man gute Nudges organisiert/designt.

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